Selbstliebe und Verbundenheit als Herz-Disziplin

Doris Bergmann schreibt in ihrem Blogbeitrag wie wichtig es ist gerade in herausfordernden Zeiten sich nicht nur mit dem Thema Selbstliebe und Verbundenheit auseinanderzusetzen, sondern es zu praktizieren. Sie appelliert an die Einzigartigkeit und Vollständigkeit, die in jedem von uns steckt und gefunden und gelebt werden darf.

Gerade in herausfordernden Zeiten liegt unsere Chance zu wachsen, zu verstehen und zu verändern; auch wenn das manchmal schwer umzusetzen oder gar sich selbst einzugestehen ist. Und genau jetzt ist jeder von uns mehr denn je gefragt liebevoll zu sein - zuallererst zu sich selbst. Es geht um Selbst-Fürsorge, um Selbst-Annahme, Selbst-Liebe und eine Verbundenheit zu sich selbst. Dies dient nicht dem reinen Selbst-Zweck, sondern steht als Basis für Verbundenheit zwischen uns Menschen und damit für die Menschlichkeit in der Gesellschaft. Für uns alle ist es so einfach und verführerisch, den Blick auf das Außen zu richten, sich zu beschweren, frustriert zu sein oder wütend, anschuldigend oder gar teilnahmslos.

Wenn vieles im Außen wegbricht, sich verändert oder uns herausfordert, sind wir stärker auf unser Inneres zurückgeworfen; und genau dann sind wir auch aufgefordert uns um unser Inneres zu sorgen.

Vieles im Außen können wir nicht verändern, aber wie wir darüber denken und fühlen, wie wir handeln und Anderen begegnen, das liegt in der Hand jedes Einzelnen. Wir sind nicht Opfer unserer Gedanken und Gefühle. Nein, wir sind Schöpfer und es liegt in unserer Verantwortung.

Die Grundlage für ein gelungenes Miteinander bildet Selbstliebe und die Verbundenheit. Klingt vielleicht einfach, ist aber oft die größte Herausforderung! Warum? Weil es um Annahme von uns selbst geht: von unseren Verletzungen, Unzulänglichkeiten, Sehnsüchten und Wünschen.

Uns vollständig anzunehmen, zu uns selbst zu stehen, mit uns selbst verbunden zu sein, auf unsere innere Stimme zu hören und uns wirklich zu vertrauen ist ein laufender Lernprozess, der manchmal schmerzhaft, aber auch hochgradig heilsam sein kann.

Als Bodyworker darf ich beobachten, dass unser Inneres – das was wir in oder über unseren Körper fühlen - mit uns und für uns arbeitet. Unser Körper ist die Bühne unserer Emotionen und in ihm zeigt sich alles was wir sind: unsere Kraft, unsere Einzigartigkeit, unsere Qualitäten und Ressourcen.

Über den Körper kann man Denken, Fühlen und Handeln verändern, und das in Dimensionen, wo Sprache nicht hinreicht. Wir können so viel für uns gewinnen, wenn wir uns zu uns auf den Weg machen und uns trauen, die Qualität all unserer Erfahrungen und Gefühle zu fühlen. Meistens braucht es Mut hinzuschauen und manchmal auch professionelle Hilfe – wirklich auf uns selbst zu schauen, wirklich uns selbst zu spüren. Denn sich zu öffnen bedeutet auch seine Verletzlichkeit und Weichheit zu spüren. Diese haben wir oft als Schwäche oder Leiden abgestempelt, aber das ist ein Irrtum! Nur, wenn wir sie wiederfinden, kommen wir uns selbst näher und damit auch anderen. Nur durchs Fühlen von uns, können wir Andere fühlen. Nur so finden wir das Essentielle im Leben: Resonanz, Nähe, Menschlichkeit, Sinn und Authentizität.

Wir müssen raus aus dem abgestumpft sein, aus dem abgeschnitten sein von uns selbst und aus dem reinen funktionieren müssen. Wir sind soziale Wesen mit einem Herz. Wir brauchen das Gefühl von Verbundenheit und Tiefe zu uns selbst und anderen.

Uns selbst zu öffnen und ins Fühlen zu kommen, ist der Weg hin zu unserer emotionalen Schwingungsfähigkeit, unserer Lebendigkeit und Menschlichkeit. Es ist uns oft nicht in die Wiege gelegt und fällt auch nicht vom Himmel. Deswegen braucht es mentales Fitnesstraining, Training für unser Herz, für unseren „Liebesmuskel“. In uns selbst finden wir eine großartige Welt, liebevoll, unterstützend und voller Abenteuer und Lebendigkeit. Zu sich selbst zu stehen, ist nicht nur etwas, was wir uns selbst schuldig sind, sondern ist auch Teil unserer gesellschaftlichen Verantwortung. Jeder kann es – ausnahmslos. Und es braucht nichts weiter als unsere Herzdisziplin.


Doris Bergmann ist somatischer Coach und Heilpraktikerin für Psychotherapie in Berlin, München und Rosenheim.

  • Website www.dorisbergmann.com

  • Podcast „LISTEN – beTOUCHED – GROW kostenlos auf Spotify, iTunes, Google


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